Ist Motivation Verhandlungssache in turbulenten Zeiten?

Geld oder Leben? Die gängige Meinung scheint immer noch zu sein, dass sich Arbeitnehmer und Berufstätige für eins entscheiden müssen. Aus dieser limitierten Perspektive entstammen Debatten über "Work/Life-Balance" und reduzierte Arbeitszeiten, die häufig in ihren Forderungen weit übers Ziel hinausschießen. Wie soll man dann die Situation für Arbeitskräfte verbessern? Die Antwort als Appell: Arbeitgeber, lernt zu motivieren! Dieser Blog-Artikel basiert auf einer Zuhörer-Frage zu der Podcast-Folge "Bringt das Geld oder kann das weg: Herzberg-Theorie." Schauen wir uns einmal an, was Motivation bedeutet für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in turbulenten Zeiten.

Herzbergs Zwei-Faktoren Theorie schaut sich Fragen an

Diese Fragen werden in der Praxis und im Alltag häufig vermengt. Einerseits geht es darum, wie zufrieden stellt ein Faktor Mitarbeiter (Motivator)? Und zweitens, wie sorgt ein Faktor für Unzufriedenheit (Hygienefaktor)? Beide Fragen haben einen komplett unterschiedlichen Fokus, auch wenn auf den ersten Blick eine große Überschneidung erscheint. Wenn wir aber das Beispiel Raumtemperatur noch einmal heranziehen, dann sorgen 21°C für keinen positiven Zufriedenheitsaspekt. Ist die Abweichung allerdings zu groß, dann entsteht Unzufriedenheit. Mit anderen Worten: Raumtemperatur ist ein reiner Hygienefaktor und trägt nicht aktiv zur Mitarbeiterzufriedenheit bei.

Gibt es nicht dennoch Überschneidungen?

Stellen Sie sich eine Skala vor, die von links (-100) über (+-0) in der Mitte bis rechts (+100) reicht:

 

(-100)--------------------(+-0)--------------------(+100)

 

In der Praxis gibt es häufig zeitliche Veränderungen, die dann langfristig belegen, inwiefern ein Faktor Motivator oder Hygienefaktor ist. Klassisches Beispiel hierbei ist die Gehaltserhöhung. Nehmen wir einmal an, Sie erhalten eine Gehaltserhöhung. Im ersten Moment sind Sie sicher erfreut. Sie würde demnach sagen, dass Gehalt ein Motivator ist, der Ihre Zufriedenheit um - sagen wir - 25 Punkte in den positiven Bereich bewegt.

 

Sind Sie allerdings ehrlich mit sich selbst, dann werden Sie zugestehen, Sie erfreuen sich an der Gehaltserhöhung für einen Nachmittag lang; wenn Sie am nächsten Morgen aufstehen, dann denken Sie wahrscheinlich (zu Recht) die Erhöhung haben Sie sowieso verdient. Ihre De-facto-Zufriedenheit ist wieder beim Normwert (+-0). Das Gehalt ist also wieder der Hygienefaktor.

Mehr zur Herzberg-Theorie hören Sie sich gerne in unserem Podcast "The Tough Consultant" in der folgenden Episode an: "Bringt das Geld oder kann das Weg: Herzberg-Theorie?"

Ändern Sich die Faktoren je nach Rahmenbedingungen?

Arbeitgeber wollen gerade im Hinblick auf effektives Employer Branding für Motivation und Zufriedenheit sorgen, während sie Faktoren, die für Unzufriedenheit sorgen, reduzieren und eliminieren wollen. Gerade in den letzten Jahren hat sich hier eine Erkenntnis auf Seiten der Arbeitgeber ergeben: Arbeitnehmer stellen Forderungen. Die "Wir Bieten"-Abteilung in Stellenausschreibungen ist nahezu zur Norm geworden. Bei Bewerbungsgesprächen hat sich das Machtverhältnis tendenziell von einem asymmetrischen Setting zugunsten des Arbeitgebers zu einer symmetrischen Situation verschoben, bei denen Bewerberinnen und Bewerber auf Augenhöhe mit den Unternehmen kommunizieren.

 

Was bedeutet das für die Motivatoren und Hygienefaktoren? Die verschieben sich je nach den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und sind somit dem gleichen Wandel unterworfen wie generelle Standards. Der kontinuierliche Verbesserungsprozess ist nicht nur deshalb bei Produkten und Dienstleistungen zu implementieren, sondern auch in den Prozessen und Systemen, welche die Arbeitskräfte befassen. Um auf die Skala zurückzugreifen: Alle Faktoren bewegen sich ständig nach links. Das Gehalt, was vor zwanzig, dreißig Jahre noch zufriedenstellend war, steht heute nicht einmal mehr zur Debatte. Die Ursachen sind hierbei externe Faktoren wie Inflation. Ähnlich verhält es sich mit Jobs durch die Corona-Krise. Vorher waren der Dienstwagen und flexible Arbeitszeiten Hygienefaktoren. Heute sind sie stärker auf Seiten der Motivatoren gerückt, da Kurzarbeit und Unternehmensschrumpfungen die Situation neu bewertet haben.

Der PRaktische Nutzen für Unternehmen

Herzberg ist ein Analyse-Modell, das dabei helfen kann Motivatoren und Hygienefaktoren auseinanderzuhalten. Es sollte aber nicht Maßstab für alles unternehmerisches Handeln sein. Gerade im Bezug auf Zufriedenheit und Motivation sind klare Kommunikation, Offenheit und Transparenz die Werkzeuge, die Teams die Gelegenheit geben, Faktoren neu zu bewerten und Loyalität gegenüber dem eigenen Unternehmen zu fordern - selbst wenn zeitweise nicht der Idealzustand herrscht.

Autor: Marc Breetzke, M.A., M.A., Florian Dietzel, B.A.

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Marc Breetzke, M.A., M.A. ist der Gründer von MB Inspirations

und weltweit als Business-Stratege, Consultant und Dozent unterwegs.

Florian Dietzel, B.A. ist jüngstes Mitglied des MBI-Teams

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